Niemanden mit leeren Händen abweisen
Der Prophet (ﷺ„Gott segne ihn und schenke ihm Heil!“) hat aufgetragen, einen Bittenden nicht mit leeren Händen fortzuschicken, selbst wenn man ihm nur einen verbrannten Tierhuf geben kann. Gemeint ist: Wer um etwas bittet, dem gibt man etwas, und sei es noch so gering. Auch die mashāyikhAmt oder Würde eines Scheichs, Scheichtum gehen so vor und weisen niemanden leer ab. An anderer Stelle heißt es sogar, man solle ihm etwas geben, das nicht größer ist als der Kopf einer Fliege.
Wer Brot backt, Simit verkauft oder Geld verdient, gibt eben davon ab, wenn jemand bittet. Ob dem Bittenden die Gabe gefällt, ist nicht mehr die Sache des Gebenden: Er hat seine Pflicht erfüllt. Es soll also lieber wenig gegeben werden als nichts.
Der Prophet (ﷺ) sagt auch, die härteste Prüfung sei es, auf das angewiesen zu sein, was andere in der Hand haben, und dann abgewiesen zu werden. Als den Schlechtesten unter den Menschen bezeichnet er denjenigen, der um Allāhs (ﷻ“Möge sein Ruhm groß sein.") willen gebeten wird und trotzdem nichts gibt. Wer Allāhs (ﷻ) Namen hört und ihn nicht achtet, ist der Schlimmste unter den Menschen.
Sich nicht auf Bitten verlegen
Von DāwūdDavid (as)„Auf ihm sei Frieden!“ wird überliefert, es sei besser, den Arm bis zum Ellbogen in den Rachen eines riesigen Drachen zu stecken und sich beißen zu lassen, als jemanden um etwas zu bitten, der erst arm war und später reich wurde. Solche Emporkömmlinge sind besonders schwer, so die Überlieferung. Möge Allāharabischer Name Gottes (ﷻ) uns nie von solchen Menschen abhängig machen.
Auch ein Reicher, der bettelt, wird am Tag der Auferstehung mit Schande im Gesicht erscheinen. Der Prophet (ﷺ) sagt in einem ḥadīthErzählung, Bericht, Mitteilung, Überlieferung sharīfedel, vornehm:
مَا يَزَالُ الرَّجُلُ يَسْأَلُ النَّاسَ حَتَّى يَأْتِيَ يَوْمَ الْقِيَامَةِ لَيْسَ فِي وَجْهِهِ مُزْعَةُ لَحْمٍ
Ein Mann bittet die Menschen immer wieder, bis er am Tag der Auferstehung kommt, ohne dass auf seinem Gesicht ein Stück Fleisch wäre.
Wer bettelt, verliert am Tag der Auferstehung sein Ansehen. Wer sich dagegen mit eigenen Händen abmüht, handelt besser, wie der Prophet (ﷺ) sagt:
لَأَنْ يَأْخُذَ أَحَدُكُمْ حَبْلَهُ فَيَأْتِيَ بِحُزْمَةِ الْحَطَبِ عَلَى ظَهْرِهِ فَيَبِيعَهَا فَيَكُفَّ اللَّهُ بِهَا وَجْهَهُ خَيْرٌ لَهُ مِنْ أَنْ يَسْأَلَ النَّاسَ أَعْطَوْهُ أَوْ مَنَعُوهُ
Wenn einer von euch sein Seil nimmt, ein Bündel Brennholz auf seinem Rücken heranträgt und es verkauft, wodurch Allāh (ﷻ) sein Gesicht bewahrt, so ist das besser für ihn, als die Menschen zu bitten, ob sie ihm nun geben oder ihn abweisen.
Wer auf die Berge geht, Holz sammelt und verkauft, tut besser daran, als andere Menschen zu bitten.
Wer sich genügsam hält, den macht Allāh (ﷻ) reich
Der Prophet (ﷺ) sagt in einem ḥadīth sharīf:
وَمَنْ يَسْتَعْفِفْ يُعِفَّهُ اللَّهُ، وَمَنْ يَسْتَغْنِ يُغْنِهِ اللَّهُ، وَمَنْ يَتَصَبَّرْ يُصَبِّرْهُ اللَّهُ
Wer sich des Bittens enthält, den bewahrt Allāh (ﷻ). Wer sich genügsam hält, den macht Allāh (ﷻ) unbedürftig. Und wer sich in Geduld übt, dem verleiht Allāh (ﷻ) Geduld.
Wer niemanden bittet, den macht Allāh (ﷻ) reich und lässt ihn nicht bedürftig werden. Wer keusch und würdevoll bleiben will, den macht Allāh (ﷻ) so. Und wer sich mit dem begnügt, was Allāh (ﷻ) ihm gibt, den macht Er (ﷻ) für sich selbst ausreichend.
Wer dagegen Besitz hat und dennoch bittet, hat nach den Worten des Propheten (ﷺ) übermäßig gebettelt. So heißt es in einem ḥadīth sharīf:
مَنْ سَأَلَ مِنْكُمْ وَلَهُ أُوقِيَّةٌ أَوْ عَدْلُهَا فَقَدْ سَأَلَ إِلْحَافًا
Wer von euch bittet, obwohl er eine ūqiyyah oder deren Gegenwert besitzt, der hat in aufdringlicher Weise gebettelt.
Die Rechte der Bittenden
Der Prophet (ﷺ) sagt, wer wüsste, was das Betteln für das Jenseits bedeutet, der würde niemanden bitten. Dennoch hat ein Bittender ein Recht, selbst wenn er auf einem Pferd daherkommt, und man soll ihm etwas geben. Es heißt auch, wären die Bedürftigen nicht so oft unehrlich, so wäre keiner von denen, die sie abweisen, erfolgreich. Mancher behauptet nämlich fälschlich, er habe dies oder jenes nicht. Wer auf diese Weise lügt, richtet sich selbst zugrunde.
Am Tag der Auferstehung werden Menschen kommen, auf deren Gesicht kein Fleisch mehr ist, weil sie ständig gebettelt haben. Möge Allāh (ﷻ) uns davor bewahren und uns zu Menschen machen, die nicht bitten müssen und die den Bittenden etwas geben.
Wa min Allāhi t-tawfiq"Und von Gott kommt der Erfolg.". al-fātiḥahEröffnung.


