Hingabe

Die Lebensweise der Liebenden

Die Meinungsverschiedenheit der Gelehrten ist eine Barmherzigkeit

Lesedauer: 3m 23s

Vortrag von

Shaykh Muhammad Adil al-Haqqani
gehalten am 
22. September 2026
 / 
11. Rabīᶜu th-thānī 1448
 in Akbaba

Arabisch anzeigen?

السَّلَامُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللَّهِ وَبَرَكَاتُهُ

أَعُوذُ بِاللَّهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ.
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَٰنِ الرَّحِيمِ

الصَّلَاةُ وَالسَّلَامُ عَلَىٰ رَسُولِنَا مُحَمَّدٍ
سَيِّدِ الْأَوَّلِينَ وَالْآخِرِينَ

مَدَدَ يَا رَسُولَ اللَّهِ
مَدَدَ يَا سَادَاتِي أَصْحَابَ رَسُولِ اللَّهِ
مَدَدَ يَا مَشَايِخَنَا
دَسْتُورُ مَوْلَانَا الشَّيْخِ عَبْدِ ٱللّٰهِ ٱلْفَائِزِ ٱلدَّاغِسْتَانِيّ
شَيْخُ مُحَمَّدٍ ظَاظِمِ الْحَقَّانِيِّ

طَرِيقَتُنَا الصُّحْبَةُ وَالْخَيْرُ فِي الْجَمْعِيَّةِ

as-salāmu ᶜalaykum wa-raḥmatu llāhi wa-barakātuh

aᶜūdhu bi-llāhi mina sh-shayṭāni r-rajīm
bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm

aṣ-ṣalātu wa-s-salāmu ᶜalā rasūlinā muḥammad
sayyidi l-awwalīna wa-l-ākhirīn

madad yā rasūla llāh
madad yā sādātī aṣḥāba rasūli llāh
madad yā mashāyikhanā
dastūr mawlānā shaykh ᶜAbd Allāh al-Fāʾiz ad-Dāghistānī,
shaykh Muḥammad Nāẓim al-Ḥaqqānī.

ṭarīqatunā aṣ-suḥbah wa l-khayru fi l-jamʿiyyah

Deutsch anzeigen

Der Friede, die Barmherzigkeit und der Segen Allahs seien auf euch.

Ich nehme meine Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Teufel.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Gnädigen.

Der Segen und der Friede seien auf unserem Propheten Muhammad,
dem Herrn der Ersten und der Letzten.

Unterstützung, o Gesandter Allahs!
Unterstützung, o meine Meister, Gefährten des Gesandten Allahs!
Unterstützung, o unsere Shaykhs!
Erlaubnis, unser Meister, Shaykh Abdullah al-Fāyiz al-Dāghestānī.
des Lehrers von Shaykh Muḥammad Nāẓim al-Ḥaqqānī

Unser Weg ist die Gemeinschaft und das Gute liegt in der Gemeinschaft.

„Ṭarīqatunā ṣ-ṣuḥbah, wa-l-khayru fi l-jamᶜiyyah." „Unser Weg ist die ṣuḥbah, und im Miteinander liegt das Gute." Diese segensreichen Worte stammen von Shāh Bahāʾuddīn Naqshband; er wiederholte sie bei jedem Treffen. Wir nehmen ihn uns zum Vorbild und sagen es ihm nach.

In Gedanken sind wir immer noch dort, an diesen gesegneten Orten. Es gibt dort so viele awliyāʾ und Gelehrte. Shukr sei Allāh (ﷻ), wir folgen ihrem wunderbaren Weg.

Meinungsverschiedenheit als Barmherzigkeit

Natürlich gab es Unterschiede unter ihnen – sei es in ihren Ansichten oder darin, wie sie Dinge ausgelegt und erklärt haben. Deshalb sagte der Prophet (ﷺ), wie es überliefert wird: „Meinungsunterschiede in meiner ummah sind eine Barmherzigkeit." Dass die Gelehrten uneins sind und manches unterschiedlich sehen, ist ein Segen für seine (ﷺ) ummah. Es gibt vier Rechtsschulen, und jede unterscheidet sich ein wenig von den anderen.

Buchara und seine Gelehrten

Was wir heute Usbekistan nennen, hieß damals noch Buchārā. Später wurde Buchārā dann in lauter Teile zersplittert. Eigentlich war das ganze Gebiet dort Buchārā. Imāmu l-Buchārī stammt von dort, Abū Ḥafṣ… Tausende Gelehrte gab es dort. Und natürlich auch die awliyāʾ und mashāyikh – sie alle gingen denselben Weg weiter.

Aus diesen Unterschieden versuchen böswillige Leute heute Zwietracht zu säen: „Der war so, der war gegen jenen, der war mit dem befreundet." Aber shukr sei Allāh (ﷻ), das alles dient der Erleichterung der Religion: Bei dem einen ist es so, beim anderen etwas anders geregelt. Wie der Prophet (ﷺ) sagt, hat Allāh (ﷻ) uns diese Unterschiede als Erleichterung und Barmherzigkeit geschenkt. Ihr Weg ist der Weg der Wahrheit. Und alles hat seinen Sinn und seine Weisheit.

Sicher wurde mal einer verbannt oder woanders hingeschickt, es gab Streitigkeiten – und man denkt, das lag an diesem oder jenem. Aber darum ging es gar nicht. Dahinter stand Allāhs (ﷻ) Wille und Seine (ﷻ) Weisheit, damit die Menschen daraus eine Lehre ziehen.

Der Dichter Allāhyār und die Schlangen

In Tadschikistan lebte zum Beispiel der große Dichter Allāhyār, der auf Alttürkisch dichtete und ein tiefgläubiger Mann war. Er geriet in Bedrängnis, und der dortige Herrscher verbannte ihn auf den gefährlichsten Berg der Gegend. Dort wimmelte es nur so von Giftschlangen. Jeder dort kennt Allāhyārs Gedichte, damals wie heute – genau wie bei unserem Yūnus Emre hier.

Als er auf den Berg kam, verließen all die Schlangen seinetwegen jenen Ort. Sie zogen sich einfach ganz woandershin zurück. Sogar Tiere weichen zurück, wenn es sich um einen gesegneten Gottesmann handelt. Das sind so manche der verborgenen Weisheiten – und es gibt Millionen davon.

Die Gräber der Heiligen ehren

Darum sollte man die Prophetenfamilie, die ṣaḥābah, die mashāyikh und Gelehrten stets in hohen Ehren halten. Shukr sei Allāh (ﷻ), die Gräber der awliyāʾ werden dort heutzutage überall nach Kräften restauriert. Es wird wunderschön; sie säubern und pflegen die ganze Umgebung. Die Menschen pilgern dorthin und begegnen diesen Orten mit großem Respekt. Wer Respekt erweist, dem wird auch Respekt zuteil.

Möge Allāh (ﷻ) unseren Respekt, unsere Liebe und Verehrung für diese gesegneten Persönlichkeiten bewahren. Möge Allāh (ﷻ) uns allen beistehen, so Allāh (ﷻ) will.

Zweifacher Lohn selbst im Irrtum

Lasst uns bloß nicht auf Zwietracht hereinfallen. Heute wird so viel Unruhe gestiftet: „Der war so, al-Buchārī war so, der andere taugte nichts." Dort drüben gibt es das kaum, aber hier bei uns versucht shayṭān ständig, Zwietracht zu säen und diese Gelehrten schlechtzureden.

Sie waren anerkannte Rechtsgelehrte – und als solche leiteten sie Urteile her. Das waren keine Laien wie du und ich. Sie kannten den Koran und die aḥādīth in- und auswendig und urteilten fundiert; sie saugten sich nichts aus den Fingern. Über solche Urteile sagt der Prophet (ﷺ), in einem ḥadīth sharīf:

إِذَا حَكَمَ الْحَاكِمُ فَاجْتَهَدَ ثُمَّ أَصَابَ فَلَهُ أَجْرَانِ، وَإِذَا حَكَمَ فَاجْتَهَدَ ثُمَّ أَخْطَأَ فَلَهُ أَجْرٌ

صحيح البخاري، رقم ٧٣٥٢

Fällt der Richter ein Urteil, bemüht sich um ijtihād und trifft die Wahrheit, erhält er zweifachen Lohn; und irrt er sich dabei, erhält er einfachen Lohn.

Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Nr. 7352 / Ṣaḥīḥ Muslim, Nr. 1716

Selbst bei einem Irrtum wird man dafür also noch belohnt. Darum müssen wir achtsam sein und dürfen uns nicht aufhetzen lassen. Sie sind die großen Säulen des Islams; all das Wissen und die Überlieferungen haben wir von ihnen. Lasst keine Zweifel in eure Herzen! Möge Allāh (ﷻ) uns vor den Versuchungen und Spaltungen dieser Zeit bewahren. Und möge Allāh (ﷻ) diejenigen rechtleiten, die vom geraden Weg abgekommen sind.

Wa min Allāhi t-tawfiq. al-fātiḥah.

Die Meinungsverschiedenheit der Gelehrten ist eine Barmherzigkeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert