„Ṭarīqatunā ṣ-ṣuḥbah, wa-l-khayru fi l-jamᶜiyyah." „Unser Weg ist die ṣuḥbahFreundschaft, Gemeinschaft, und im Miteinander liegt das Gute." Diese segensreichen Worte stammen von Shāh Bahāʾuddīn Naqshband; er wiederholte sie bei jedem Treffen. Wir nehmen ihn uns zum Vorbild und sagen es ihm nach.
In Gedanken sind wir immer noch dort, an diesen gesegneten Orten. Es gibt dort so viele awliyāʾVerbündeter, Freund Gottes, Helfer, Beschützer und Heiliger und Gelehrte. ShukrDankbarkeit, Dank sei Allāharabischer Name Gottes (ﷻ“Möge sein Ruhm groß sein."), wir folgen ihrem wunderbaren Weg.
Meinungsverschiedenheit als Barmherzigkeit
Natürlich gab es Unterschiede unter ihnen – sei es in ihren Ansichten oder darin, wie sie Dinge ausgelegt und erklärt haben. Deshalb sagte der Prophet (ﷺ„Gott segne ihn und schenke ihm Heil!“), wie es überliefert wird: „Meinungsunterschiede in meiner ummahNation, Volk sind eine Barmherzigkeit." Dass die Gelehrten uneins sind und manches unterschiedlich sehen, ist ein Segen für seine (ﷺ) ummah. Es gibt vier Rechtsschulen, und jede unterscheidet sich ein wenig von den anderen.
Buchara und seine Gelehrten
Was wir heute Usbekistan nennen, hieß damals noch Buchārā. Später wurde Buchārā dann in lauter Teile zersplittert. Eigentlich war das ganze Gebiet dort Buchārā. ImāmuVorsteher, Vorbild, Richtschnur, Anführer l-Buchārī stammt von dort, Abū Ḥafṣ… Tausende Gelehrte gab es dort. Und natürlich auch die awliyāʾ und mashāyikhAmt oder Würde eines Scheichs, Scheichtum – sie alle gingen denselben Weg weiter.
Aus diesen Unterschieden versuchen böswillige Leute heute Zwietracht zu säen: „Der war so, der war gegen jenen, der war mit dem befreundet." Aber shukr sei Allāh (ﷻ), das alles dient der Erleichterung der Religion: Bei dem einen ist es so, beim anderen etwas anders geregelt. Wie der Prophet (ﷺ) sagt, hat Allāh (ﷻ) uns diese Unterschiede als Erleichterung und Barmherzigkeit geschenkt. Ihr Weg ist der Weg der Wahrheit. Und alles hat seinen Sinn und seine Weisheit.
Sicher wurde mal einer verbannt oder woanders hingeschickt, es gab Streitigkeiten – und man denkt, das lag an diesem oder jenem. Aber darum ging es gar nicht. Dahinter stand Allāhs (ﷻ) Wille und Seine (ﷻ) Weisheit, damit die Menschen daraus eine Lehre ziehen.
Der Dichter Allāhyār und die Schlangen
In Tadschikistan lebte zum Beispiel der große Dichter Allāhyār, der auf Alttürkisch dichtete und ein tiefgläubiger Mann war. Er geriet in Bedrängnis, und der dortige Herrscher verbannte ihn auf den gefährlichsten Berg der Gegend. Dort wimmelte es nur so von Giftschlangen. Jeder dort kennt Allāhyārs Gedichte, damals wie heute – genau wie bei unserem YūnusJona Emre hier.
Als er auf den Berg kam, verließen all die Schlangen seinetwegen jenen Ort. Sie zogen sich einfach ganz woandershin zurück. Sogar Tiere weichen zurück, wenn es sich um einen gesegneten Gottesmann handelt. Das sind so manche der verborgenen Weisheiten – und es gibt Millionen davon.
Die Gräber der Heiligen ehren
Darum sollte man die Prophetenfamilie, die ṣaḥābahGefährte, die mashāyikh und Gelehrten stets in hohen Ehren halten. Shukr sei Allāh (ﷻ), die Gräber der awliyāʾ werden dort heutzutage überall nach Kräften restauriert. Es wird wunderschön; sie säubern und pflegen die ganze Umgebung. Die Menschen pilgern dorthin und begegnen diesen Orten mit großem Respekt. Wer Respekt erweist, dem wird auch Respekt zuteil.
Möge Allāh (ﷻ) unseren Respekt, unsere Liebe und Verehrung für diese gesegneten Persönlichkeiten bewahren. Möge Allāh (ﷻ) uns allen beistehen, so Allāh (ﷻ) will.
Zweifacher Lohn selbst im Irrtum
Lasst uns bloß nicht auf Zwietracht hereinfallen. Heute wird so viel Unruhe gestiftet: „Der war so, al-Buchārī war so, der andere taugte nichts." Dort drüben gibt es das kaum, aber hier bei uns versucht shayṭānTeufel ständig, Zwietracht zu säen und diese Gelehrten schlechtzureden.
Sie waren anerkannte Rechtsgelehrte – und als solche leiteten sie Urteile her. Das waren keine Laien wie du und ich. Sie kannten den KoranLesung, Rezitation, Vortrag und die aḥādīthErzählung, Bericht, Mitteilung, Überlieferung in- und auswendig und urteilten fundiert; sie saugten sich nichts aus den Fingern. Über solche Urteile sagt der Prophet (ﷺ), in einem ḥadīth sharīfedel, vornehm:
إِذَا حَكَمَ الْحَاكِمُ فَاجْتَهَدَ ثُمَّ أَصَابَ فَلَهُ أَجْرَانِ، وَإِذَا حَكَمَ فَاجْتَهَدَ ثُمَّ أَخْطَأَ فَلَهُ أَجْرٌ
Fällt der Richter ein Urteil, bemüht sich um ijtihād und trifft die Wahrheit, erhält er zweifachen Lohn; und irrt er sich dabei, erhält er einfachen Lohn.
Selbst bei einem Irrtum wird man dafür also noch belohnt. Darum müssen wir achtsam sein und dürfen uns nicht aufhetzen lassen. Sie sind die großen Säulen des Islams; all das Wissen und die Überlieferungen haben wir von ihnen. Lasst keine Zweifel in eure Herzen! Möge Allāh (ﷻ) uns vor den Versuchungen und Spaltungen dieser Zeit bewahren. Und möge Allāh (ﷻ) diejenigen rechtleiten, die vom geraden Weg abgekommen sind.
Wa min Allāhi t-tawfiq"Und von Gott kommt der Erfolg.". al-fātiḥahEröffnung.



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