Bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm.
قُلْ سِيرُوا فِي الْأَرْضِ فَانْظُرُوا كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الْمُجْرِمِينَ
Sag: Reist auf der Erde umher und schaut, wie das Ende der Übeltäter war.
Wenn wir uns den Zustand der Welt und der Menschen heute ansehen, ist kaum noch etwas Menschliches geblieben. Jeder hat seine Menschlichkeit verloren.
Hacı Anne pflegte zu sagen: „Der Mensch rühmt am meisten das, was ihm selbst fehlt.“ Jeder behauptet von sich: „Ich bin ehrlich“ oder „Wir sind ehrlich“, doch von Ehrlichkeit fehlt bei ihnen jede Spur. So traurig es ist, aber das ist der heutige Zustand der Welt und der Menschheit. Es gibt weder Ehrlichkeit noch Verlässlichkeit mehr.
Jeder folgt nur noch seinem eigenen Ego – seinem nafs –, und was das Ego verlangt, halten sie für die Wahrheit. Sie sagen: „Meine Vorstellung von Ehrlichkeit ist das, was mein Ego will.“ „Niemand sonst hat das Recht, sich in mein Leben einzumischen.“ „Ich mache ohnehin, was ich will.“
Die Menschen von heute sagen sich: „Barmherzigkeit für andere gibt es bei mir nicht.“ Die Rechte der Armen, die Rechte der Mitmenschen – all das ist ihnen völlig egal. Das ist bedauerlicherweise der aktuelle Zustand der Menschheit.
Wilde Tiere sind besser als ein Mensch ohne Barmherzigkeit
Genau aus diesem Grund ist die Menschlichkeit verloren gegangen. Menschlichkeit bedeutet Gerechtigkeit; aber vor allem anderen bedeutet Menschlichkeit Barmherzigkeit. Wo diese Eigenschaften fehlen, sind wilde Tiere besser als der Mensch.
Wenn ein wildes Tier Nahrung findet, frisst es, legt sich zur Ruhe und lebt einfach sein Leben. Es hegt keinen Groll. Ein Tier denkt nicht darüber nach: „Wie kann ich morgen noch mehr töten? Wie kann ich noch mehr Schaden anrichten?“ Der Mensch hingegen trägt diesen Groll in sich und hat ein Ego, das niemals satt wird. Deshalb sieht unsere heutige Zeit leider so aus.
Schwimm nicht mit der Masse
Wir schwimmen mit der Masse. Und weil wir mit der Masse schwimmen, erscheint den Menschen alles völlig normal. Dabei ist daran überhaupt nichts normal. Selbst wenn alle anderen es tun – tu du es nicht.
Ihre größte Ausrede und Rechtfertigung lautet: „Aber die anderen machen es doch auch.“ Auch wenn es jeder macht, solltest du es nicht tun. Wenn alle Schlechtes tun, dann tu du es nicht. Halte dich am Rande auf, bleib auf Distanz. Lass dich nicht vom Strom mitreißen, damit er dich nicht auch wegspült. Bleib auf dieser Seite, steh auf der Seite der Wahrheit, sei aufrichtig.
Verlass dich nicht auf die Ehrlichkeit deines Egos, sondern auf die Ehrlichkeit, die Allāh (ﷻ) uns befohlen hat. Das Ego sagt: „Alles gehört mir.“ Die Lage ist offensichtlich: Selbst bei Menschen, die als ehrlich gelten und hochgelobt werden, stellt sich am Ende heraus, dass sie nur ihrem Ego folgen. Trotzdem gibt es kein Schamgefühl mehr, sodass sie sagen würden: „Wir haben uns blamiert, wir haben unsere Ehre verloren.“
Schamgefühl ist ein Teil des Glaubens
Über die Schamhaftigkeit sagt unser Prophet (ﷺ) in einem Ḥadīth sharīf:
الْحَيَاءُ مِنَ الْإِيمَانِ
Schamgefühl ist ein Teil des Glaubens.
Schamgefühl ist etwas Schönes, aber im heutigen Zustand der Welt und der Menschheit wird es nicht mehr als etwas Gutes angesehen.
Die Leute sagen: „Das Mädchen ist viel zu schamhaft, sie geht nicht aus dem Haus, sie redet kaum.“ Dabei ist es etwas sehr Gutes, dass sie Scham empfindet. Ihrer Meinung nach sollte man tun, was man will, sich für nichts schämen und alles ausleben; wer das tut, gilt bei ihnen als angesehener Mensch. Heutzutage gilt jemand, der noch Scham empfindet, nicht mehr als angesehen.
Möge Allāh (ﷻ) sich unseres Zustands erbarmen und uns einen Retter senden, in shāʾa llāh. Wir warten darauf, in shāʾa llāh. Möge Allāh (ﷻ) die Menschen bald wieder zu ihrer wahren Menschlichkeit zurückführen, in shāʾa llāh. Sie sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft umzukehren. Möge Allāh (ﷻ) uns einen Beschützer senden, der uns den Weg weist, in shāʾa llāh.



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