Hingabe

Die Lebensweise der Liebenden

Die wahren Heuchler und die Islamophobie

Lesedauer: 7m 44s

Vortrag von

Shaykh Muhammad Adil al-Haqqani
gehalten am 
23. September 2026
 / 
12. Rabīᶜu th-thānī 1448
 in Salzgitter

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السَّلَامُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللَّهِ وَبَرَكَاتُهُ

أَعُوذُ بِاللَّهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ.
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَٰنِ الرَّحِيمِ

الصَّلَاةُ وَالسَّلَامُ عَلَىٰ رَسُولِنَا مُحَمَّدٍ
سَيِّدِ الْأَوَّلِينَ وَالْآخِرِينَ

مَدَدَ يَا رَسُولَ اللَّهِ
مَدَدَ يَا سَادَاتِي أَصْحَابَ رَسُولِ اللَّهِ
مَدَدَ يَا مَشَايِخَنَا
دَسْتُورُ مَوْلَانَا الشَّيْخِ عَبْدِ ٱللّٰهِ ٱلْفَائِزِ ٱلدَّاغِسْتَانِيّ
شَيْخُ مُحَمَّدٍ ظَاظِمِ الْحَقَّانِيِّ

طَرِيقَتُنَا الصُّحْبَةُ وَالْخَيْرُ فِي الْجَمْعِيَّةِ

as-salāmu ᶜalaykum wa-raḥmatu llāhi wa-barakātuh

aᶜūdhu bi-llāhi mina sh-shayṭāni r-rajīm
bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm

aṣ-ṣalātu wa-s-salāmu ᶜalā rasūlinā muḥammad
sayyidi l-awwalīna wa-l-ākhirīn

madad yā rasūla llāh
madad yā sādātī aṣḥāba rasūli llāh
madad yā mashāyikhanā
dastūr mawlānā shaykh ᶜAbd Allāh al-Fāʾiz ad-Dāghistānī,
shaykh Muḥammad Nāẓim al-Ḥaqqānī.

ṭarīqatunā aṣ-suḥbah wa l-khayru fi l-jamʿiyyah

Deutsch anzeigen

Der Friede, die Barmherzigkeit und der Segen Allahs seien auf euch.

Ich nehme meine Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Teufel.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Gnädigen.

Der Segen und der Friede seien auf unserem Propheten Muhammad,
dem Herrn der Ersten und der Letzten.

Unterstützung, o Gesandter Allahs!
Unterstützung, o meine Meister, Gefährten des Gesandten Allahs!
Unterstützung, o unsere Shaykhs!
Erlaubnis, unser Meister, Shaykh Abdullah al-Fāyiz al-Dāghestānī.
des Lehrers von Shaykh Muḥammad Nāẓim al-Ḥaqqānī

Unser Weg ist die Gemeinschaft und das Gute liegt in der Gemeinschaft.

Wer sind die wahren Heuchler?

Es gibt verschiedene Arten von Heuchlern: Heuchler unter den Muslimen und Heuchler unter den Nicht-Muslimen. Unter den heutigen Muslimen gibt es allerdings kaum noch Heuchelei – ein Muslim hat es heutzutage gar nicht mehr nötig zu heucheln. Betet einer nicht, dann betet er eben nicht; es kümmert ihn schlichtweg nicht mehr. Mit Heuchelei wissen die heutigen Muslime gar nichts mehr anzufangen.

Die wahren Heuchler, von denen hier die Rede ist, sind eigentlich die Nicht-Muslime: jene, die über die Muslime herfallen, ihnen alle möglichen Verbrechen anhängen und den Menschen Angst vor dem Islam einjagen.

Der Leitspruch des Muslims ist hingegen dieses Bittgebet, das der Prophet (ﷺ) in einem ḥadīth sharīf lehrte:

اللَّهُمَّ أَنْتَ السَّلَامُ وَمِنْكَ السَّلَامُ تَبَارَكْتَ يَا ذَا الْجَلَالِ وَالْإِكْرَامِ

صحيح مسلم، رقم ٥٩١

O Allāh (ﷻ), Du bist der Friede, und von Dir kommt aller Friede. Gesegnet bist Du, o Besitzer der Erhabenheit und Ehre.

Ṣaḥīḥ Muslim, Nr. 591

Zu Allāh (ﷻ) kehrt aller Friede zurück, und alles Heil kommt allein von Ihm (ﷻ) und liegt im Islam. Die Gebote, an die sich ein Muslim hält, lauten: niemandem Leid zufügen, kein Unrecht begehen, niemanden töten, niemandes Rechte antasten und sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen. Was die Nicht-Muslime hingegen tun, ist, den Muslimen „Islamophobie" anzuhängen und allen Menschen Angst vor dem Islam zu machen – das ist Heuchelei im allerhöchsten Maße!

Christophobie statt Islamophobie

Wovon man eigentlich sprechen müsste, sind ganz andere Phobien: von Christophobie, Buddhistophobie, Hinduphobie oder Kommunismus-Phobie. Vor denen müsste man wirklich Angst haben, denn niemand auf dieser Welt hat sich je so massenhaft gegenseitig ermordet wie die Christen untereinander.

Als die Kreuzfahrer nach Anatolien kamen, zogen sie vor die Burgen der Armenier und sagten: „Wir sind doch auch Christen, lasst uns zusammenstehen!" Die Armenier glaubten ihnen und öffneten die Burgtore. Doch kaum waren sie drin, ließen sie niemanden am Leben – ob groß oder klein, Mann oder Frau, jung oder alt; mit den Worten „Ihr seid nicht von den Unseren!" metzelten sie alle nieder.

Davor gab es Konstantin, den Erbauer von Konstantinopel, der das Christentum verfälschte und jeden hinrichten ließ, der ᶜĪsā (as) nicht als „Sohn Gottes" anerkannte. Als sich das Christentum vor 1500 Jahren etwa in Deutschland verbreitete, sahen die Menschen ᶜĪsā (as) anfangs noch als Propheten an; danach kam jene andere Fraktion und brachte jeden um, der sich nicht unterwarf.

Später traten die Spanier und die Portugiesen auf den Plan: Menschen, die nicht ihresgleichen waren, folterten und massakrierten sie. Millionen Menschen verschleppten sie aus Afrika; die meisten brachten sie um, den Rest machten sie zu Sklaven. In Amerika metzelten sie von den Ureinwohnern nieder, wen sie konnten, und jenen, die sie nicht töten konnten, gaben sie seuchenverseuchte Gegenstände, um sie so auszurotten. Diese sogenannte christliche Mentalität hat Millionen Menschenleben auf dem Gewissen – warum spricht niemand von „Christophobie", aber jeder von „Islamophobie"? Genau darüber ärgere ich mich.

Kein Muslim hat je Millionen ausgelöscht

Wo hätte man je gehört, dass ein Muslim Millionen Menschen umgebracht hat? Denkt an die Mongolen: Vor dem Islam zogen sie plündernd und verwüstend durch ganze Länder und machten jeden nieder. Am Ende traten auch sie zum Islam über, und als Muslime brachten sie Hochkultur und Zivilisation – geht nach Indien, überall stehen ihre Meisterwerke!

Das Ganze ist ein reines Spiel shayṭāns. Wenn ein Muslim je Unrecht begangen haben soll – was es ohnehin kaum gibt –, forscht nur genau nach: Dahinter steckt garantiert etwas zutiefst Unislamisches.

Das geistige Erbe Zentralasiens

Letzte Woche waren wir in Zentralasien, in Usbekistan. Was haben die dortigen Muslime der Welt damals nicht alles an weltlichem wie geistigem Wissen und an Weisheit geschenkt – ihr Licht strahlte in alle Richtungen aus! Vor dem Islam gab es in jenen Ländern weder echte Erkenntnis noch Wissenschaft; erst durch den Islam wurden sie erleuchtet, und ihr Wissen wurde zum Segen für sie selbst wie für die ganze Welt. Auch ganz Europa verdankt seine Zivilisation den Muslimen in Andalusien.

In Zentralasien lebten damals unzählige geistige Meister mit Hunderttausenden von Schülern. Jene mashāyikh sandten ihre Schüler in andere Länder aus, um den Menschen den wahren Weg zu weisen, ihnen Wissen, Anstand und den Sinn des Lebens zu vermitteln – und so brachten sie den Menschen unendlichen Nutzen, denn sie lehrten sie wahre Menschlichkeit. Heute nennen sich manche „Humanisten", doch auch das ist nur eine andere Art von Heuchelei.

Der Teufel schläft nie

Shayṭān schläft nie, er gönnt sich keine Ruhe. Wir schlafen, doch er treibt sein Werk unentwegt voran und wird niemals müde. Nach Allāhs (ﷻ) Weisheit wird der Mensch träge, wenn er etwas Gutes tun will, doch will er Schlechtes tun, geht er ohne jedes Zögern ans Werk. Darum belohnt Allāh (ﷻ) die Taten der Menschen auf dem rechten Weg nach ihrer reinen Absicht: Selbst wenn shayṭān sie an der Tat hindert, sie aber sagen „Wir wollen es tun", belohnt Allāh (ﷻ) sie bereits für ihren guten Entschluss.

Zerstörte Gräber, unauslöschlicher Glaube

In Zentralasien dachten die Kommunisten, sie hätten den Islam mit der Wurzel ausgerottet, und scheuten vor keiner Schandtat zurück. Doch shukr sei Allāh (ﷻ): Kaum waren sie fort, blühte der Islam wieder auf wie frisches Grün aus der Erde! Sie hatten die Gräber der Gelehrten geschändet und alle islamischen Friedhöfe dem Erdboden gleichgemacht, um dort Nicht-Muslime anzusiedeln.

Leider geschah dies auch bei uns auf Zypern und in der Türkei allzu oft: Alte Friedhöfe riss man ab und baute völlig Belangloses an ihre Stelle. Auf Zypern beseitigte man die Gräber unserer Ahnen und Großväter und errichtete Neubauten darauf; die riesigen alten osmanischen Grabsteine warf man einfach auf den Müll und baute stattdessen Schulen und ähnlich unnützes Zeug. Dabei waren genau diese Gräber die Besitzurkunden unseres Landes – wer heute sagen will „Das ist unser Land", hat keinen Beweis mehr in der Hand: 500 Jahre alte Gräber standen dort, und man hat sie alle vernichtet.

Man dachte, man hätte den Menschen in Zentralasien achtzig Jahre lang ihren Glauben ausgetrieben. Doch shukr sei Allāh (ﷻ), Allāh (ﷻ) fegte jene Unterdrücker von heute auf morgen hinweg, und der Islam erwachte dort zu neuem Leben. Das ist dem Segen jener geistigen Meister zu verdanken, deren Wurzeln tief und unerschütterlich sind: Selbst wenn man sie oben nicht sieht oder sie abschneidet, schlagen sie aus der Tiefe sofort wieder aus.

An der Seite geistiger Meister

Deshalb ist es so wichtig, an der Seite geistiger Meister zu sein und auf ihrem Weg zu wandeln – ihnen Ehre zu erweisen, nützt einem im Diesseits wie im Jenseits. Heute behaupten manche Leute, so etwas brauche man doch gar nicht; unwissend kann man sie gar nicht nennen, sie sind Heuchler. Ohne Führung geht es nun einmal nicht: Man kann sich nicht alles selbst beibringen, niemand wird von ganz allein Ingenieur oder Arzt – man braucht unbedingt einen Lehrmeister. Wer bei klarem Verstand ist, weiß seinen Wert zu schätzen und will für sein ewiges Seelenheil unbedingt an seiner Seite sein.

Wie viele Gräber mächtiger Sultane haben wir dort gesehen! Sie alle wünschten sich, neben den awliyāʾ begraben zu werden; manche wollten gar zu Füßen ihres Meisters ruhen. Und das waren Herrscher, die die Welt regierten – so etwas taten sie mit Sicherheit nicht leichtfertig. Wenn ihr wirklich weise Menschen sucht: Das waren die klügsten Köpfe auf Erden!

Die Liebe zum Propheten als Rettung

Dieses Leben dauert nicht ewig, unsere Zeit ist bemessen – man muss an das denken, was danach kommt. Der sicherste Weg zur Rettung im Jenseits ist die aufrichtige Liebe zum Propheten (ﷺ). So sagt der Prophet (ﷺ) in einem ḥadīth sharīf:

الْمَرْءُ مَعَ مَنْ أَحَبَّ

صحيح البخاري، رقم ٦١٦٨

Der Mensch wird mit dem sein, den er liebt.

Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Nr. 6168

Darum toben shayṭān und sein Gefolge vor Wut: Fällt das Wort „Fürsprache" oder geht es um Ehrerbietung für den Propheten (ﷺ) – lieben wir den Propheten (ﷺ), drehen sie völlig durch, denn sie wollen um keinen Preis, dass der Mensch Erlösung findet.

Shayṭān hatte vor Allāh (ﷻ) geschworen, er werde die Menschen allesamt vom rechten Weg abbringen und mit sich in die Hölle reißen – sieht er nun jemanden, der Rettung findet, ist ihm das zutiefst zuwider.

Ein Weg für alle

Shukr sei Allāh (ﷻ), der Pfad der ṭarīqah führt geradewegs zum Propheten (ﷺ); er sucht seine Liebe und seine Fürsprache und lehrt jede Ehrerbietung und allen Anstand ihm gegenüber. Möge Allāh (ﷻ) keinen von uns jemals von diesem Pfad weichen lassen, und möge Er (ﷻ) ihn auch für andere zur Rechtleitung machen, in shāʾa llāh. Dieser Weg birgt Raum für jedermann, er reicht für alle aus. So sagt unser Prophet (ﷺ) in einem ḥadīth sharīf:

لَا يُؤْمِنُ أَحَدُكُمْ حَتَّى يُحِبَّ لِأَخِيهِ مَا يُحِبُّ لِنَفْسِهِ

صحيح البخاري، رقم ١٣ / صحيح مسلم، رقم ٤٥

Keiner von euch glaubt wirklich, bis er für seinen Bruder das liebt, was er für sich selbst liebt.

Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Nr. 13 / Ṣaḥīḥ Muslim, Nr. 45

Deshalb ist die ṭarīqah ein Pfad reiner Herzenswärme, der die Menschen zu diesem wunderschönen Weg einlädt. Andere hingegen sind voller Missgunst; viele denken: „Nur ich darf hinein, sonst niemand!" – solche Leute gibt es zuhauf.

In Arabien erzählt man sich dazu eine passende Begebenheit: Zwei Männer, die dem Propheten (ﷺ) die Ehre verweigerten, saßen beisammen, und der eine sagte: „Alle anderen sind Götzendiener! Nur du und ich sind noch übrig!" Dann blickte er auf das Dach seines Freundes, sah dort eine Satellitenschüssel und rief empört: „Du bist ja auch ein Götzendiener! Auf der ganzen Welt bin nun ich der einzig wahre Muslim geblieben!" Genau so ist ihre Denkweise – das ist die Mentalität jener, die sich gegen die Sufis stellen.

Ein Sufi hingegen sagt immer: „Jeder ist besser als ich – mā shāʾa llāh, alle Menschen stehen viel höher als wir." Die Gesinnung jener Leute stammt von shayṭān, die Gesinnung des Sufis hingegen vom Propheten (ﷺ). Möge Allāh (ﷻ) sie zur Einsicht bringen; niemand soll auf sie hereinfallen, viel zu viele lassen sich täuschen – möge Allāh (ﷻ) davor bewahren.

Wa min Allāhi t-tawfiq. al-fātiḥah.

Die wahren Heuchler und die Islamophobie

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