Aᶜūdhu bi-llāhi mina sh-shayṭāni r-rajīm. Bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm.
يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اجْتَنِبُوا كَثِيرًا مِّنَ الظَّنِّ إِنَّ بَعْضَ الظَّنِّ إِثْمٌ ۖ وَلَا تَجَسَّسُوا وَلَا يَغْتَب بَّعْضُكُم بَعْضًا ۚ أَيُحِبُّ أَحَدُكُمْ أَن يَأْكُلَ لَحْمَ أَخِيهِ مَيْتًا فَكَرِهْتُمُوهُ ۚ وَاتَّقُوا اللَّهَ ۚ إِنَّ اللَّهَ تَوَّابٌ رَّحِيمٌ
O ihr, die ihr glaubt! Meidet vieles an Verdacht – wahrlich, ein Teil des Verdachts ist Sünde. Und kundschaftet nicht aus, und verleumdet einander nicht. Würde etwa einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen? Ihr würdet es verabscheuen. Und fürchtet Allāh – Allāh ist vergebend, barmherzig.
Ṣadaqa llāhu l-ᶜaẓīm.
Allāh (ﷻ) sagt: Denke nicht schlecht über die Menschen; beschuldige andere nicht mit schlechten Gedanken und Verdacht. Was man annimmt, stimmt oft nicht im Geringsten mit der Wahrheit überein. Die Wahrheit ist eine Sache, und was man annimmt, eine ganz andere. Das ist eine sehr wichtige Angelegenheit.
Die Gefahr des Argwohns
Dies ist etwas, das die mashāyikh verabscheuen. Selbst wenn etwas schlecht aussah, haben sie es als gut interpretiert. Sayyidinā Mawlānā Shaykh Nāẓim fand für die Menschen stets eine Entschuldigung; selbst wenn jemand wirklich Schlechtes getan hatte, wollte er ihn nicht schlecht dastehen lassen. Es gibt diese Haltung – und es gibt ihr Gegenteil. Im Volksmund heißt es: „sūʾu ẓ-ẓanni min ḥusni l-fiṭan" – schlechter Verdacht sei Klugheit. Das ist weder ein Ḥadīth noch aus dem Koran; es ist ein Sprichwort. Mawlānā Shaykh Nāẓim stand auf der einen Seite, und die Mehrheit derer, die ihm nahestanden, folgte dem Sprichwort – und sie sind zuerst gegangen. Er aber sagte stets: „Dieser Mensch ist gut."
Wie ist der Argwohn? Wenn jemand in einem völlig dunklen Zimmer ohne Licht ist, sieht er das Kissen als irgendein Wesen. Er sieht die Decke und die Dinge an der Wand als etwas Bedrohliches. Er bildet sich Dinge ein, erschrickt und versteckt sich unter der Decke, nicht wissend, wie er bis zum Morgen kommen soll. Dann macht er das Licht an – und es ist nichts da. Da ist ein Bett und eine Decke, ein Kleid an der Wand und das Licht. Alles ist ganz normal. Wenn das Licht brennt, sieht man alles; nichts von dem Schrecklichen, das man sich eingebildet hatte, ist wirklich vorhanden. So verhält es sich auch mit dem Argwohn.
Mawlānā Shaykh Nāẓim wurde über solche Dinge zornig. Wenn man nicht zu hundert Prozent sicher ist, soll man niemanden beschuldigen, nicht schlecht über ihn reden und nicht seine Sünden auf sich nehmen. Argwohn ist eine ernste Angelegenheit. Mische dich nicht in das ein, was dich nichts angeht – deine Pflicht ist es, auf dich selbst zu achten. Lass dich nicht von anderen taüschen. Es gibt viele Menschen, die schlecht über andere reden, ihre Häuser und Familien zerstören, und dann sagen: „Wir haben das nur gedacht." Wer sagt, er habe es nur gedacht, hat gewiss gesündigt – es ist keine Kleinigkeit.
Erlaubtes Nachforschen
Allāh (ﷻ) hat dir Verstand und Urteilsvermögen gegeben – du musst fragen und nachforschen. Wenn du heiraten möchtest, sollst du dich über den Menschen erkundigen. Das ist kein Argwohn. Es ist keine schlechte Meinung, wenn man herausfindet, wer jemand ist, wie er lebt, was er getan hat – für die eigene Zukunft. Man soll die Wahrheit kennenlernen. Menschen, die jemanden kennen, können sagen: „Diese Person ist so und so, wir empfehlen sie" – oder auch nicht.
Was jedoch falsch ist: einem verheirateten Menschen zu sagen „Du hast das und jenes getan, du warst dort und dort" – um fitnah in seiner Familie zu säen, seine Beziehungen zu zerstören oder seine Ehe zu ruinieren. Das ist Argwohn. Möge Allāh (ﷻ) uns alle davor bewahren. Diese Angelegenheit ist sehr wichtig, doch die Menschen denken, sie sei leicht, und reden drauflos. Dann machen sie andere ebenfalls sündig – man sagt: „Der hat das gesagt, er muss es wissen" – und so begehen alle gemeinsam die Sünde. Möge Allāh (ﷻ) uns vor großen Sünden schützen und uns vergeben, in shāʾa llāh.
Wa min Allāhi t-tawfiq. al-fātiḥah.



Schreibe einen Kommentar